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Webfail – die neue Zeitfressmethode

Wer kennt es nicht – Ostern ist entspannend teilweise bis hin zur absoluten Langweile? Eigentlich ein schönes Gefühl, kannte ich Langeweile schon lange nicht mehr. Es treibt einen dann auch auf ganz kuriose Seiten, wo man sich stundenlang verlustieren kann: http://de.webfail.com. Wer mal so richtig Zeit in Unsinniges stecken will, der ist auf dieser Seite bestens aufgehoben:

  • Fotos aus aller Welt: von Kuriosem aus Russland zu Kinder- und Tierfotos
  • Iphone-Nachrichten mit wirrem Inhalt
  • Facebook-Posts und vor allem deren Antworten darauf

Man bekommt einen richtig guten Einblick in die Abgründe der Facebook- und Iphone-Welt und vor allem hat man schlagartig einige Stunden seines Lebens erfolgreich hinter sich gebracht.

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Facebook – Sinn und Unsinn

In letzter Zeit häufen sich die Kolumnen, Glossen und Zeitungsartikel auf meinen Bildschirm zum Thema “Social Networks” und darunter vor allem zu Facebook. Wissenschaftler stellen fest: Facebook fördert Neid und Eifersucht. Wissenschaftler stellen fest: Facebook verbindet und schafft eine ganz neue (noch unbekannte) Dimension. Es scheint so, als hätte die Wissenschaft Social Networks als Forschungsgegenstand entdeckt und wolle jetzt (endlich) untersuchen, ob dies uns hilft oder schadet. Eigentlich erstaunlich, denn so neu sind diese Netzwerke ja auch wieder nicht. Dass es zehn Jahre dauert, bis sich die Wissenschaft dem annimmt, ist ja dann wieder mehr als erstaunlich.

So beschäftigt sich auch Joachim Müller-Jung in seiner FAZ-Glosse mit dem Thema Facebook (http://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/glosse-netzversagen-der-feind-12033735.html). Er kommt zum Ergebnis, dass ein Drittel der Facebook-Nutzer frustriert ist, wenn sie sehen, was ihre virtuellen Freunde posten. Wenn ich auf meinem Facebook-Account schaue, gehöre ich zwar nicht zu denjenigen, die frustriert sind, aber es hat schon etwas. Kaum jemand meiner Freunde postet “Langweiliges”: Sie sind in den Ferien, machen tolle Bilder mit tollen Freunden, hören sich Konzerte an, zeigen ihre hübschen, lächelnden und zufriedenen Kinder samt Grosseltern… Auf meinem Account passiert weder Langweiliges noch Schreckliches: nur Bilder von einer perfekten Welt. Eigentlich aber auch nicht verwunderlich, denn die Frage einer Schülerin auf meine Feststellung war ja wirklich nur zu entlarvend: “Würden denn Sie etwas Langweiliges oder Schreckliches posten?” Ja, sie hat recht. Wir wollen die Umwelt ja nicht mit unseren Abgründen volltexten. Und wenn dies jemand macht, wird dies in der schönen, heilen Facebook-Welt auch schnell verdrängt. Mitleidheischende Posts wie “Mir geht es so schlecht, ich habe meinen Fuss verstaucht” werden wohl beim ersten Mal noch mitleidsvoll beantwortet, häufen sich diese allerdings schon bald wöchentlich – zuerst der Fuss, dann der Kopf, dann der Bauch, dann wer weiss, was alles weh tun kann – nerven diese Facebook-Userinnen (ja, es sind meistens Frauen) doch sehr und werden ignoriert.

Andererseits offenbart dieses Verhalten genau dies, was ich an den Social (=Sozial…) Networks hasse: eine gewisse Oberflächlichkeit. Man teilt das Schöne, das Hässliche will niemand wissen. Das interessiert auch keinen. Dasselbe breitet sich in extremerer Form auf What’s App aus. Immer wieder sehe ich auf den Iphones meiner SchülerInnen gehaltvolle Whats App-Nachrichten von “Freunden” mit dem Inhalt “Huhu” oder “Hey”. Ich frage mich dann, was würde ich jetzt auf eine solche Interjektion antworten? “Yo”, “hehe” oder doch “Bambam”? Unterrichte ich zukünftig im Fach Deutsch nur nochInterjektionen? Ich würde mich wohl bei einer solchen Nachricht kaum dazu verpflichtet fühlen, überhaupt zu antworten. Denn was will mir der Schreibende eigentlich mitteilen? Aber vielleicht müsste man das Fach “Interjektionen” doch einführen, dass auch wir älteren Generationen auf eine Nachricht mit dem Inhalt “Huhu” die richtige Antwort-Interjektion kennen…

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Wer liest eigentlich Blogs?

Grundsätzlich bin ich ja jemand, der gerne liest und schreibt. Beim Thema „Bloggen“ habe ich mich bisher allerdings immer gefragt, wer denn eigentlich solche Blogs liest. Schliesslich bin ich weder eine Person des öffentlichen Interesses, noch führe ich ein sonderlich interessantes Leben, welches so ausschweifend ist, dass es jemanden wirklich so fesseln könnte, dass er womöglich wöchentliche Updates zu meiner Person verfolgt.

Blogger = Exhibitionisten?

Einfacher zu beantworten ist wahrscheinlich zuerst die Frage, wer solche Blogs schreibt: Bei mir ist dies sehr schnell zu beantworten – ich schreibe diesen Blog nicht wirklich freiwillig. Ein gewisses exhibitionistisches Bedürfnis meinerseits muss zwar schon dahinter stecken, sonst würde ich für mein LiNK-Modul wohl eine andere Aufgabe wählen. In erster Linie steckt hinter meinem Blog also mal das Bedürfnis, eine Zusatzaufgabe zu bewältigen, um ein Modul zu bestehen. Andererseits schreibe ich gerne – dies ist also eine Aufgabe, die mir entspricht. Ich frage mich allerdings schon, ob mir dann tatsächlich in regelmässigen Abständen etwas Kreatives einfallen wird.

Diejenigen, die freiwillig Bloggen, scheinen aber wohl doch ein sehr grosses Bedürfnis zu haben, ihr spannendes (oder vielleicht doch eher unspannendes?) Leben einem grossen Publikum mitzuteilen. PolitikerInnen versuchen damit Wählerstimmen zu ergattern, Stars wollen ihre Fans bei Laune und bei der Stange halten – aber wen interessiert eigentlich das Leben von Herrn oder Frau 0815?

Bloggende Politiker und Stars

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Wer liest eigentlich solche Blogs? PolitikerInnenblogs werden nach meinen Erfahrungen wohl eher weniger gelesen, ausser dieser hat eine wirklich wesentliche Position inne, wie es unser bloggende Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger hat. Dies könnte tatsächlich von Interesse sein – aber wohl in erster Linie für JournalistInnen. Hat aber der 0815-Mensch überhaupt Zeit, sich diese Blogs regelmässig anzuschauen? Wohl eher kaum. Dann verfolgt dieser schon lieber einen Blog von Lady Gaga, um dann am nächsten Tag in der Pause mit den anderen mitreden zu können oder einen Wissensvorsprung zu besitzen. Anscheinend gibt es ja auch Leute, die alle ihre Stars auf Twitter verfolgen… Wem’s denn gefällt.

Blogleser = Spanner?

Wer aber liest denn nun eigentlich einen Blog wie den meinen? Sind dies irgendwelche Leute, die ich kenne und mich ausspionieren? Spanner? Sind dies Menschen, die sich unendlich langweilen? Menschen ohne Leben? Oder solche, die aufgrund eines Auftrags dazu gezwungen werden, meinen Blog zu verfolgen? Also, liebe Blogleserin, lieber Blogleser. Jetzt ist es an der Zeit, Dich zu outen. Betreiben wir doch eine kleine empirische Untersuchung: Schreibe einen Kommentar zu meinem Blog – und sei es auch nur ein „Hallo“ mit einem Stichwort, weshalb gerade Du Dich auf meinen Blog verirrt hast. Dann werden wir vielleicht schon bald mehr über das „BlogleserInnen-Herz“ wissen.