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Tutorialseiten – eine wirkliche Hilfe oder nur eine Geldmaschine?

Auf der Suche nach neuen Arten, meinen Schülerinnen und Schülern die Deutschgrammatik weiterzugeben, bin ich auf youtube auf verschiedene Tutorialseiten der Firma “Sofatutorial” gestossen. Relativ schnell habe ich mich weitergeklickt und weitergeklickt und bin dann schlussendlich – wie durch die youtube-Videos wohl auch erwünscht – auf der Homepage http://www.sofatutorial.de gelandet. Die “Werbung” auf youtube hatte bei mir also funktioniert.

Die Videos auf youtube sind so konzipiert, dass sie alle nach 1.30 Minuten enden, obwohl jedermann/jedefrau merkt, dass dieses Video noch einiges länger sein muss. Dann erscheint auch schon der Werbetext, dass das ganze Video nur auf der Homepage erhältlich ist. Auf der Homepage erfährt so dann der Interessierte, dass eine 1-monatige-Mitgliedschaft für knapp 100 Euro zu haben ist. Eine Jahresmitgliedschaft für knapp 200 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen!

Natürlich bin ich immer daran interessiert, mehr Material für meinen Unterricht zu erhalten, somit würde ich ja durchaus auch etwas dafür zahlen. Interessant war dann allerdings nur, was ich unter meinem Fach Geschichte fand: Kopien von Videos aus youtube – alle waren mir schon bestens bekannt. Gute Videos zwar, aber auf youtube auch alle (vollständig!) gratis zu haben. Und nicht etwa als Raubkopie vom Sofatutor, sondern direkt reingestellt von einer anderen Historikerplattform oder von Privaten. Wofür zahle ich denn dann?

Der Seite muss man ja nicht gleich keine Chance mehr geben – also ging ich zum Fach Deutsch. Dort hatte es viele ähnliche Videos wie das hier von mir gepostete zum Fach Französisch. Um ehrlich zu sein, bin ich nach kurzer Zeit etwas weggenickt. Zuerst erläuterte mir eine recht monotone Männerstimme die literarischen Epochen – nicht besser oder schlechter als dass ich dies auch auf der Wandtafel im Unterricht machen könnte. Danach wechselte ich das Thema zu einer Dame, die mir ein Grammatikthema erläuterte. Da ich an dieser Stelle einnickte, bin ich mir nicht einmal mehr sicher, zu welchem Grammatikthema sie mich belehren wollte. Jedenfalls war auch dies mit einer weissen Tafel und monotoner Stimme. Ich frage mich an dieser Stelle, ob diese Seiten als Unterrichtsbestandteil überhaupt etwas taugen. Ich würde sie wohl nicht benutzen, dann erkläre ich dies lieber selbst an der Wandtafel oder am Visualizer. Da “lebt” die Lehrerin wenigstens und merkt, wann ihre Schülerinnen und Schüler einnicken.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich solche “Hilfen” für LehrerInnen gefunden habe, die damit dann auch den Schülerinnen und Schülern online eine Hilfe sein sollten. Auch meine Geschichtsklassen haben schon voller Begeisterung von solchen Tutorialseiten berichtet. So war es eine Weile in meiner Berufsmaturitätsklasse extrem IN, sich zu jedem Thema die Kurzfassungen von einem “Mr Wissen2go” anzusehen.

Diese Links zu fast allen Geschichtsthemen habe ich mir dann auch angeschaut und musste zugeben, dass diese kleinen Videos von Mr Wissen2go sehr unterhaltsam sind und das Wichtigste tatsächlich in Kürze wiedergeben. Auch die Leistungen meine Schülerinnen und Schüler waren an den Prüfungen, zumindest was die Grundzüge der Themen betraf, vernünftig. Diese Links sind meiner Meinung nach zu empfehlen – auch für uns Lehrerinnen und Lehrer, die Anfangs vielleicht auch noch aus lauter Interesse Mühe haben, Wichtiges von Unwichtigtem zu unterscheiden. Mr Wissen2go bringt es sehr schnell auf den Punkt – und dies auf witzige Art und Weise.

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