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Facebook – Sinn und Unsinn

In letzter Zeit häufen sich die Kolumnen, Glossen und Zeitungsartikel auf meinen Bildschirm zum Thema “Social Networks” und darunter vor allem zu Facebook. Wissenschaftler stellen fest: Facebook fördert Neid und Eifersucht. Wissenschaftler stellen fest: Facebook verbindet und schafft eine ganz neue (noch unbekannte) Dimension. Es scheint so, als hätte die Wissenschaft Social Networks als Forschungsgegenstand entdeckt und wolle jetzt (endlich) untersuchen, ob dies uns hilft oder schadet. Eigentlich erstaunlich, denn so neu sind diese Netzwerke ja auch wieder nicht. Dass es zehn Jahre dauert, bis sich die Wissenschaft dem annimmt, ist ja dann wieder mehr als erstaunlich.

So beschäftigt sich auch Joachim Müller-Jung in seiner FAZ-Glosse mit dem Thema Facebook (http://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/glosse-netzversagen-der-feind-12033735.html). Er kommt zum Ergebnis, dass ein Drittel der Facebook-Nutzer frustriert ist, wenn sie sehen, was ihre virtuellen Freunde posten. Wenn ich auf meinem Facebook-Account schaue, gehöre ich zwar nicht zu denjenigen, die frustriert sind, aber es hat schon etwas. Kaum jemand meiner Freunde postet “Langweiliges”: Sie sind in den Ferien, machen tolle Bilder mit tollen Freunden, hören sich Konzerte an, zeigen ihre hübschen, lächelnden und zufriedenen Kinder samt Grosseltern… Auf meinem Account passiert weder Langweiliges noch Schreckliches: nur Bilder von einer perfekten Welt. Eigentlich aber auch nicht verwunderlich, denn die Frage einer Schülerin auf meine Feststellung war ja wirklich nur zu entlarvend: “Würden denn Sie etwas Langweiliges oder Schreckliches posten?” Ja, sie hat recht. Wir wollen die Umwelt ja nicht mit unseren Abgründen volltexten. Und wenn dies jemand macht, wird dies in der schönen, heilen Facebook-Welt auch schnell verdrängt. Mitleidheischende Posts wie “Mir geht es so schlecht, ich habe meinen Fuss verstaucht” werden wohl beim ersten Mal noch mitleidsvoll beantwortet, häufen sich diese allerdings schon bald wöchentlich – zuerst der Fuss, dann der Kopf, dann der Bauch, dann wer weiss, was alles weh tun kann – nerven diese Facebook-Userinnen (ja, es sind meistens Frauen) doch sehr und werden ignoriert.

Andererseits offenbart dieses Verhalten genau dies, was ich an den Social (=Sozial…) Networks hasse: eine gewisse Oberflächlichkeit. Man teilt das Schöne, das Hässliche will niemand wissen. Das interessiert auch keinen. Dasselbe breitet sich in extremerer Form auf What’s App aus. Immer wieder sehe ich auf den Iphones meiner SchülerInnen gehaltvolle Whats App-Nachrichten von “Freunden” mit dem Inhalt “Huhu” oder “Hey”. Ich frage mich dann, was würde ich jetzt auf eine solche Interjektion antworten? “Yo”, “hehe” oder doch “Bambam”? Unterrichte ich zukünftig im Fach Deutsch nur nochInterjektionen? Ich würde mich wohl bei einer solchen Nachricht kaum dazu verpflichtet fühlen, überhaupt zu antworten. Denn was will mir der Schreibende eigentlich mitteilen? Aber vielleicht müsste man das Fach “Interjektionen” doch einführen, dass auch wir älteren Generationen auf eine Nachricht mit dem Inhalt “Huhu” die richtige Antwort-Interjektion kennen…

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